2. Die Schöpfer

2.3. Walt Disney

Walt Disney Walter Elias Disney wuchs auf einer Farm in der Nähe von Marceline, Missouri, auf. Schon als Kind interessierte er sich sehr für das Zeichnen. Im Alter von sieben Jahren verkaufte er seine ersten Entwürfe und Skizzen an die Nachbarn. Während des Besuches der McKinley High School in Chicago richtete er seine Aufmerksamkeit sowohl auf das Zeichnen als auch auf das Fotografieren. Beide Talente setzte er für die Schulzeitung ein. Am Abend besuchte er noch die „Academy of Fine Arts“.
1918 versuchte er dem Militär beizutreten, wurde aber abgelehnt da er erst 16 Jahre alt war. So ging er zum Roten Kreuz und wurde nach Übersee geschickt, wo er ein Jahr lang einen Rettungswagen fuhr. Sein Rettungswagen war von vorne bis hinten mit Comics geschmückt. Nachdem der Krieg zu Ende war kehrte Walt nach Amerika, Kansas City, zurück und begann seine Karriere als Comiczeichner für die Werbung. Dort schuf er 1920 zum ersten Mal animierte Cartoons.
1923 verließ Walt Disney Kansas, mit 40 $ Dollar in der Tasche und einem kompletten animierten s„live-action“ Film, um nach Hollywood zu gehen. Sein Bruder Roy O. Disney war bereits in Kalifornien, ausgerüstet mit 250 $ Dollar. Die beiden begannen ihre ersten Produktionen, zwei Blocks von den Hollywood-Studios entfernt.
Am 13. Juli 1925 heiratete Walt Disney eine seiner ersten Angestellten, Lillian Bounds, in Lewiston, Idaho. Sie bekamen zwei Töchter, Diane und Sharon, die beide höhere Angestellte der Disney Company heirateten. 1926 wurden die „Hyperion Avenue Studios“ eröffnet, wobei sich Walter und seiner Bruder Roy Disney um fast alles selber kümmerten. Sie beschäftigten sich zu dieser Zeit mit Kurzfilmen über Tiere.
Die berühmteste Maus der Welt, Micky Maus (Mickey Mouse), kreierte Walt bei einer Bahnfahrt mit seiner Frau Lillian. Walt hatte gerade eine böse Niederlage einstecken müssen. Ihm war seine Figur „Oswald the lucky rabbit“ von Charles Mintz, Repräsentant der Universal Pictures, weggeschnappt worden. So musste sich Disney eben eine neue Figur überlegen. Das Ergebnis war eine Maus, die er zuerst Mortimer nennen wollte. Seine Frau Lillian hatte da aber ihre Einwände, da sie den Namen Mortimer doch etwas zu hochgestochen fand. So wurde die Maus eben Micky getauft. Micky Maus machte sein Debüt ursprünglich in dem noch tonlosen Film „Plane Crazy“, zu dem Disney durch den Flieger Charles Lindbergh inspiriert worden war. Disney hatte gerade eine kreative Phase und schrieb gleich einen zweiten und einen dritten Film „Gallopin´ Gaucho“ und „Steamboat Willie“. Doch noch bevor die Filme veröffentlicht werden konnten, endete die Zeit des Stummfilms. So vertonte Walt den dritten Film und Mickey trat das erste Mal in dem Film „Steamboat Willie“ auf, der erste voll synchronisierte Cartoon. Dieser wurde am 18. November 1928 im „Colony Theatre“ in New York uraufgeführt. „Technicolor“ wurde während der Produktion der „Silly Symphonies“ in die Animationen eingeführt. 1937 hatte der erste abendfüllende Zeichentrickfilm Disney´s seine Premiere „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. In den nächsten fünf Jahren folgten weitere Filme, wie „Pinocchio“, „Fantasia“, „Dumbo“ und „Bambi“.
Die Figur Donald Duck war das Ergebnis eines Experiments. Walt Disney war der Ansicht, dass die Micky Maus-Filme einen Hintergrundakteur brauchten. Donald Duck war ja schon im Film „The Wise Little Hen“ auf seine Leinwandtauglichkeit getestet worden, und war, da er immer im Mittelpunkt stehen wollte, der geborene Schauspieler. So trat er 1934 in „Orphan´s Benefit“ als zweiter Hauptdarsteller neben Micky Maus auf. Die Stimme wurde Donald vom Tierstimmenimitator Clarence „Ducky“ Nash geliehen. Eine Zeitlang lieh dieser auch Tick, Trick und Track und Daisy seine Stimme.
Walt Disney war weniger ein Zeichner als ein „Idea man“. Seine Spezialität war ein natürliches Gespür für komische Situationen und ihm war klar was das Publikum wollte. Ebenso kann man Walt Disney als Perfektionist charakterisieren. Da er selbst gar kein so perfekter Zeichner war, spürte er Talente auf und engagierte hervorragende Zeichner. Außerdem war Disney der Produzent der ersten voll synchronisierten Zeichentrickfilme. In den Disney Studios wurde auch die neue Technik des „Story Boards“ angewandt. Diese eigentlich simple Erfindung bestand aus einem großen schwarzen Brett, einer Art Pinwand, auf der die einzelnen Skizzen des Filmes in der richtigen Reihenfolge aufhängt wurden. So wurde es deutlich vereinfacht, schlechte Szenen auszuscheiden oder umzustellen.
1933 war Walt Disney schon die Nummer 1 im Trickfilmgeschäft. Für Disney stellten die Zeichentrickfilme mehr dar alseine bloße Aneinanderreihung von Gags. Die Komik ergab sich meist erst aus dem Charakter und den Gefühlen, die die Figuren auszudrücken vermochten. Den Mittelweg zwischen Realismus und Übertreibung zu finden war manchmal direkt eine Gratwanderung.
Disney war der Meinung, dass Teamarbeit das Beste wäre. Er ließ seine Zeichner Kunstkurse besuchen und sorgte auch dafür, dass sie voneinander lernten. Jeder sollte sich auf das konzentrieren, was er am Besten konnte. Um ein Beispiel zu nennen: an den Duck-Filmen waren immer sehr viele Zeichner beschäftigt. Jeder von ihnen konnte aber eine bestimmte Seite von Donald besonders gut ausdrücken und beschäftigte sich dann vor allem damit. Das Interessante an der Produktion eines Zeichentrickfilms ist die Tatsache, das zuerst die Musik und der Ton aufgenommen werden und erst danach gezeichnet wird. Durch die gemessene Laufzeit wurden dann die „Filmmeter“ ermittelt, die dann in die einzelnen Szenen unterteilt wurden. Alle bisherigen Informationen wurden auf sogenannten „work sheets“ aufgezeichnet und an die Zeichner weitergereicht. Diese wussten nun ganz genau was sie zu zeichnen hatten und letztendlich passten Bild und Ton dann perfekt zueinander. 1940 schwoll die Zahl der Angestellten so an, dass Disney mehr als 1000 Künstler, Animatoren, Geschichtenschreiber und Techniker beschäftigte. Doch während des 2. Weltkrieges waren 94 % von Disneys Aufgaben der Regierung verpflichtet, was auch die Produktion von Propaganda Filmen für das Militär beinhaltete. Der Rest von Disneys Möglichkeiten war der Produktion von Kurzkomödien gewidmet, die dazu dienten die Moral der Soldaten und der Bevölkerung anzuheben.
Zu seinen Lebzeiten produzierte Disney 81 Filme in seinen eigenen Studios. Walt´s Gespür dafür, wie man Bildung unterhaltend vermitteln kann, brachte ihm viele Preise, Ehrungen und Auszeichnungen ein. Neben den Zeichentrickfilmen brachte er den Menschen durch Filme wie „The Living Desert“, „The Vanishing Prairie“, „The African Lion“ und „White Wilderness“ faszinierende Einblicke in die Natur.
1955 rief er Disneyland ins Leben, das ein 17 $ Millionen Dollar Königreich darstellt. Mehr als 250 Millionen Leute dürften Disneyland schon nach dessen dreißigjährigem Bestehen besucht haben. Darunter auch Präsidenten, Könige und Königinnen, sowie berühmte Persönlichkeiten der ganzen Welt. „Walt Disney World“ wurde am 1. Oktober 1971 offiziell eröffnet.
Kurz vor seinem Tod am 15. Dezember 1966, war es für Disney noch von großer Bedeutung, dass sich das 1961 gegründete „California Institute of Arts“ etablierte. Er sagte: „Es ist die Hauptsache, die ich hoffe zurückzulassen, wenn ich auf die grünen Weiden gehen werde. Wenn ich helfen kann einen Platz zu schaffen, wo sich die Talente der Zukunft entwickeln können, dann glaube ich, habe ich etwas zustandegebracht.“
Das „California Institute of Arts“ liegt 32 Meilen nordöstlich von Los Angeles, und ist in zwei Schulen unterteilt: Das „Los Angeles Conservatory of Music“ und das „Chouinard Art Institute“. Walt hatte sich die neue Schule so gedacht, dass sich unter dem gemeinsamen Baldachin der „Community (Gemeinschaft) of the Arts“ alle kreativen Künste vereinen sollen. Walter Elias Disney ist eine Legende des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist weltweit bekannt und sein Name repräsentiert Vorstellungskraft, Fantasie, Optimismus und eigenständig erarbeiteten Erfolg, „the american way“. David Low, ein britischer Polit-Karikaturist, nannte Disney „die bedeutsamste Figur der bildnerischen Künste seit Leonardo da Vinci.“