3. Die Charaktere

3.3. Dagobert Duck (Scrooge McDuck)

Dagobert Duck „Es ist mir ein Hochgenuss, wie ein Seehund hineinzuspringen... wie ein Maulwurf darin herumzuwühlen...undes in die Luft zu werfen, dass es mir auf die Glatze prasselt!“ Dieses ist wohl einer der bekanntesten Aussprüche, dersicherlich reichsten Ente der Welt: Dagobert Duck! Dagobert hat eine innige Beziehung zu seinem Geld, jedes Geldstückerinnert ihn an eine Station seines Lebens. Es ist erstaunlich, doch er kann jeder einzelnen Münze ein genaues Ereigniszuordnen, was erklärt, wieso er sein Geld so abgöttisch liebt. Wie andere Leute ein Tagebuch führen, hortetDagobert Duck, der reichste Mann der Welt, seine geliebten Taler. Carl Barks versuchte mit der Erfindung des Geldbades, das ja realistisch gesehen gar nicht möglich ist, dem Ausdruck zu verleihen, wie sehr Dagobert Duck sein Geld liebt und das „Zusammensein“ mit ihm genießt. Es gibt keine Erklärung dafür wie man im Geld schwimmen kann, außer jener, dass nurdie reichste Ente der Welt das kann. Über die genauen Ausmaße seines Vermögens weiß man nicht genau Bescheid. Er selbstgibt manchmal Angaben, wie „5 Fantastilliarden, 7 Quadratillionen, ...“. Daher wird sein Reichtum, der nur in einem Geldspeicher mit enormen Ausmaßen unterzubringen ist, auch gerne in Festmetern angegeben. Dieser Geldspeicher tritt zum ersten Mal in „The Pixilated Parrott“ zutage. Anfangs hatte dieser riesige Aufbewahrungsort verschiedene Namen, doch dann bekam er endgültig den Namen „Geldspeicher“. In den Geschichten von Carl Barks ist der Geldspeicher auch zugleich der Wohnort von Dagobert Duck. Dagobert Duck verkörpert vor allem die Figur eines erfolgreichen Geschäftsmannes und Bankiers. Er beschäftigt sich ziemlich mit allem womit man Geld machen kann. Doch obwohl man hinter der Figur des gewieften GeschäftsmannesDagobert Duck nur einen alten, geldgierigen Geizkragen vermutet, so zeigt sich auch, dass er sehr wohl ein weiches Herz hat, „rauhe Schale, weicher Kern“... . In der Geschichte „Fragwürdiger Einkauf“ aus dem Jahre 1957, lässt Dagobert anfangs nur Profitgier durchblicken. In der vollen Zuversicht ein Wahnsinnsgeschäft gemacht zu haben, ersteigert ereine sogenannte Bombastiumkugel, die so groß wie eine Bowlingkugel ist, die unheimlich wertvoll sein soll. Als Dagobert und seine Neffen, die ihn auf jeder seiner Reisen begleiten, nach einer Kette von Ereignissen schließlich auf dem Nordpol landen, findet ein Pinguin Gefallen an dem „Ei“. Anfangs ist Dagobert nicht sonderlich begeistert, dass seine Kugel, die außerdem ziemlich leicht zu schmelzen beginnt, bebrütet wird. Doch die Kugel wird gestohlen, und der Pinguin erweist sichbeiderSuche als äußerst nützlich. Als sich dann aber herausstellt, dass die Bombastiumkugel keine außergewöhnliche Substanz, sondern nur Speiseeis ist, stellt Dagobert seine Dankbarkeit unter Beweis, und ersteigert dem Pinguin um ein kleines Vermögen ein richtiges Pinguinei, das er ausbrüten kann.
Dagobert Ducks erster Auftritt Seinen ersten Auftritt aber hatte er schon im Jahr 1947 in der Geschichte „Christmas on Bear Mountain“, FourColor Comics 178 („Die Mutprobe“), wo seine Rolle aber die eines reichen aber auch älteren Mannes war. Er wirkteaber im allgemeinen noch zu schwächlich um ihn die manchmal direkt haarsträubenden Situationen durchleben zu lassen, denen er in seinen folgenden Abenteuern immer wieder aussetzen sollte. Eigentlich sollte er nur einmal in Erscheinung treten, doch bot er Möglichkeiten für neue Aspekte in den Geschichten. Sein enormer Reichtum ermöglichte z.B.Reisen in ferne Länder. Anfangs jedoch war noch keine Rede von enormen Reichtum, erst 1948 in der Novemberausgabe der „Walt Disney´sComics“ wird er als der „reichste Glatzkopf der Welt“ beschrieben. Seine klassische Identität erhält Dagobert jedoch erst im Dezember 1949 in „Letter to Santa“ in „Christmas Parade 1“, wo er einen wahren Pionier und Geizhals verkörpert. Nicht nur sein Handeln sondern auch sein Aussehen zeugen von Dagoberts Unternehmertum und Geiz. Zwar trägt er einerseits Kleidungsstücke die Reichtumg symbolisieren, wie Seidenzylinder, Gehrock, Spazierstock und Gamaschen, andererseits hat er sich noch nie neue Kleidung gekauft. Sein Geld sieht man ebenso zum ersten Mal.
Barks wurde zu dieser Gestalt vor allem durch den Geizkragen „Ebeneezer Scrooge“ angeregt, der Hauptfigur aus Charles Dickens´ „A Christmas Carol“. Im amerikanischen Original heißt Onkel Dagobert auch genauso „Uncle ScroogeMcDuck“. Dagobert Duck ist der Sohn armer adeliger Schotten und wanderte als Kind nach Amerika aus um dort sein Glück zu machen. Zu seinem Geld kam er folgendermaßen: „Ich verdiente es auf den Meeren, in den Minen und bei den Viehkämpfen in den Grenzgebieten zum Wilden Westen. Ich wurde reich, weil ich zäher als die härtesten Männer warundklüger als die Schlausten. Und ich verdiente es mir auf redliche Art. Jungs, ihr würdet euer Geld genauso lieben, wennihres euch so hart wie ich verdient hättet. Man muss bessere Ideen haben als die anderen und man muss einfach ein bisschen schneller sein.“ In „A poor old man“, erzählt Dagobert, dass er in den Achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Montana nach Kupfer grub und 1898 aus dem Klondike Gold in großen Mengen schöpfte.
1955 schrieb Carl Barks ein Skript für einen Dagobert-Film. Wie so viele Entwürfe, wurde dieser Film niegedreht. Doch 1967 tritt Dagobert Duck in dem 17-minütigen Kurzfilm „Scrooge McDuck and Money“ im Fernsehen auf,wo er seinen drei Neffen Tick, Trick und Track alles über das liebe Geld erzählt. 1983 verkörperte Dagobert Duckin der Disney-Version von Charles´ Dickens „A Christmas Carol“ die Person seines Namensgebers: Ebeneezer Scrooge! Ebenso wie Donald Duckbekam Dagobert Duck auch seine eigene Heftreihe, die zuerst bei „Dell“ und später bei „Golden Key“ verlegt wurde. Im Gegensatz zu seinem faulen Neffen Donald ist eines der vielen Mottos von Dagobert Duck „Wer rastet, der rostet“. Das einzige was Onkel Dagobert in Ohnmacht fallen lässt, ist der Gedanke, dass die Panzerknacker dabei sind ein Loch in den Duck´schen Geldspeicher zu bohren oder, dass Klaas Klever einen Kreuzer reicher sein könnte als er.Doch einmal ein bißchen Talerstaub geschnuppert und der ältere Herr ist wieder voll auf dem Damm. Man brauchtsich wirklich keine Sorgen zu machen ob Dagobert krank werden oder sterben könnte. Nur der Gedanke, dass einer seiner Neffen seinsorgsam gehortetes Vermögen verprassen könnte, macht ihn wieder fit.
Dass so ein ungeheurer Reichtum auch die Schattenseite der Gesellschaft anzieht, ist nicht weiter verwunderlich. Zu Dagoberts gefährlichsten Feinden gehören vor allem die Panzerknacker, Mac Moneysack und Klaas Klever,derebenfalls Anspruch darauf erhebt, der reichste Mann der Welt zu sein. Dagoberts größte Feinde sind natürlichdie Panzerknacker, die darauf hoffen in der Verbrechergilde ein paar Sprossen höher zu kommen, wenn sie sich um das riesengroße Vermögen bereichern würdern. Doch auch die persönliche Gier treibt sie dazu. Die Panzerknacker treten erstmalsim November 1951 in Erscheinung. Ihre einzelnen Charaktere sind jedoch austauschbar, und so treten sie in der Folge nur noch alsdie Panzerknackerbande auf. Die Gefahr die seitens Gundel Gaukeleys über Dagobert schwebt, ist auch nicht zu verachten. Diese Hexe hat es schon seit Jahren auf den Glückstaler, den ersten Taler, den Dagobert verdient hat, abgesehen. Er wurde damals als kleiner Junge beim Schuheputzen betrogen, weil ihn ein Herr mit einer ausländischen Münze bezahlte. Diesen Glückszehner, den „Number One Dime“, führte Barks erst sehr spät in seine Geschichten ein. Dies würde bedeuten, dass Onkel Dagobert sich seinen Reichtum vor allem durch Glück erworben hätte, was der anfänglichenIdee, dass er es nur durch harte Arbeit schaffen konnte, wiederspricht. Immer wieder versucht Gundel Dagobert und dessen Neffen zu überrumpeln um ihm den heißbegehrten Taler abzunehmen. Mit dem erstverdienten Taler des reichsten Mannes der Welt,könnte sie sich ein Amulett machen, der sie zur mächtigsten Hexe der Welt machen würde. Um an diesen Taler heranzukommen scheut sie keine Mittel und Wege, doch ihre 08/15 Methoden sind Buff-Bomben und Hypnose Blicke.
Carl Barks verhalf Dagobert Duck ebenso wie Donald Duck zu einer ausgereiften Persönlichkeit, die auf vielen Reisen durch die ganze Welt nach Reichtümern sucht, und dabei nie vergisst, seine Neffen als Packesel, Gehilfen odereinfach nur als Begleiter, mitzunehmen.