3. Die Charaktere

3.5. Daniel Düsentrieb (Gyro Gearloose)

Daniel Düsentrieb Daniel Düsentrieb ist wohl das Genie Entenhausens. Als Erfinder stellt er immer wieder seine Genialität und seinen Einfallsreichtum unter Beweis, der sich z.B. darin zeigt, dass er es ohne Umstände fertigbringt, innerhalb eines Tages eine Rakete für einen Mondflug zu bauen. Der Name „Daniel Düsentrieb“ stammt von der deutschen Übersetzerin Dr.Erika Fuchs, die damit auf ihren eigenen Ehemann anspielte, der auch den berühmten Düsentrieb´schen Ausspruch tat: „Dem Ingenieur ist nichts zu schwör!“ Ebenfalls charakteristisch für Düsentrieb ist, dass er sich seine Ideen gerne mit einem Hammer „einhämmert“. Im Gegensatz zu Dagobert Duck und Gustav Gans stand Daniel´s Persönlichkeit schon von Anfang an fest. Er ist ein genialer Erfinder, dessen Erfindung oft anders arbeiten als geplant, denn „Niemand kann eine Maschine so intelligent machen, dass nicht noch irgendein Blödmann zu dumm ist, sie zu bedienen.“ In Daniel Düsentrieb spiegelt sich ein wenig Carl Barks selbst wieder, der gerne selbst ein Erfinder geworden wäre, doch nie eine seiner Erfindungen verwirklichte. Daniel Düsentrieb macht seine Erfindungen aus reinder Freude an der Arbeit und nicht aus Profitgier. Dies merkt man vor allem daran, dass er seine Erfindungen meist wie auf einem Flohmarkt zu billigsten Preisen, stark unter ihrem Wert verkauft.
Ursprünglich wurde Daniel Düsentrieb nur für die Comic-Hefte entwickelt, doch eine ähnliche Gestalt kam schonzuvor in einem Trickfilmentwurf vor. Diese Gestalt hatte schon fast dieselbe Kleidung, Haare und einen Hut wie Daniel. Und doch sollte diese Figur niemand anderer als Oma Ducks fauler Knecht „Franz Gans“ werden. Doch es wird noch komplizierter. Im Original heißt Franz Gans, der auch ein Vetter von Donald Duck ist, nämlich „Gus Goose“, was ja soviel wie Gustav Gans bedeutet. Doch Gustav heißt im amerikanischen Original „Gladstone Gander“. Carl Barks hatte irgendwann die Idee Gus Goose, also Gustav Gans, als gefräßig darzustellen. Da eine solche Person aber auch dick zu sein hat, wurde die schlanke Gus-Version als Vorbild für den späteren Daniel Düsentrieb verwendet. Ein anders Mal wollte Barks Gus Goose zu einem Glückspilz machen, der sogar in der Wüste jederzeit Wasser finden konnte (der nie gedrehte Film „Desert Prospectors“). Aus dieser Figur entwickelte sich dann eine weitere Figur, nämlich Gustav Gans. Ihn also in der deutschen Übersetzung Gustav zu nennen ist damit gar nicht so weit hergeholt.
Als erstes trat Daniel Düsentrieb 1952 in Heft Nr. 140 der Reihe „Walt Disney´s Comics“ in der Geschichte „Eine peinliche Enthüllung“ zusammen mit Gustav Gans auf. Bald bekam auch er seine ersten Hauptrollen, und ist heute in der Zeichentrickserie „Duck Tales“ ein unentbehrliches Mitglied geworden. Dass Daniel Düsentrieb seine Entenhausener Kollegen um einige Kopflängen überragt, ist schnell erklärt. Eigentlich wollte Carl Barks den Ingenieur Daniel Düsentrieb, der im Original „Gyro Gearloose“ heißt, nur ganz selten auftreten lassen. Carl Barks dazu: „Hätte ich gewusst, dass ich einmal ein eigenes Heft mit Düsentrieb-Geschichten machen würde, hätte ich ihn nur etwa so groß wie Donald oder Dagobert gemacht. Dann wäre er leichter zu zeichnen gewesen. Er war ein großer, schlaksiger Hühnervogel, der nicht so einfach in die Bilder mit den Enten hineinpasste.“
Das Daniel Düsentrieb vorerst nicht direkt in das Leben der restlichen Entenhausener Bevölkerung eintrat hatte seine Gründe. Die Hefte gab es nämlich auch als Abonnements, und mussten daher den Vorschriften für den verbilligten Postzeitungsdienst entsprechen. Das bedeutet, dass es in jeder Ausgabe mehrere Geschichten geben musste, deren Charaktere miteinander nichts zu tun haben durften. Deswegen kommen in den ersten Geschichten auch einige ungewöhnliche Partner vor, die man später nie wieder sah, aus dem einfachen Grund, dass Charaktere wie Tick, Trick und Track nicht vorkommen durften.
Doch, was wäre Düsentrieb ohne sein Helferlein. Das Helferlein (Little Helper) ist eigentlich nur ein Drahtgestell mit einer Glühbirne als Kopf, das aber trotz seiner Nebenrolle, manchmal die eigentliche Handlung in den Hintergrund drängt.