3. Die Charaktere

3.6. Daisy Duck

Daisy Duck Donald Ducks Freundin, Daisy Duck, trat zum ersten Mal in dem Film „Don Donald“ im Jahre 1937 auf, aber vorerst unter dem Namen Donna Duck. Ihre Rolle war die einer hübschen jedoch lasterhaften und eitlen Dame, die Donald einfach ignorierte, ohne mit einer Wimper zu zucken. Ihren ersten Auftritt als Daisy Duck hatte sie 1940 in dem Film „Mr. Duck Steps Out“. In diesem Film hatte sie auch schon ihr charakteristisches Aussehen: Bluse, Stöckelschuhe, Schleife in den Haaren und lange Wimpern. Wie Donald Duck auch, hat Daisy ihre Nichten April, May und June um sich, die das erste Mal 1953 in Erscheinung treten.
Anfangs diente sie vor allem dazu, Konflikte zwischen dem schwer eifersüchtigen Erpel Donald Duck und dessen Vetter Gustav Gans zu schüren, die beide unverhohlen um ihre Gunst buhlten. Daisy ist hundertprozentig Frau, die etwas dazu neigt, aus allem ein Drama zu machen. Sie ist eine Frau, die ganz genau weiß, was sie will. Von einem romantischen Abend erwartet sie sich einen romantischen Spaziergang, Blumen, Süßigkeiten, und was eben so dazugehört. Wird ihr dieses einmal nicht geboten, kann sie auch ordentlich wütend werden und mit ihrem Handtäschchen zuschlagen. Sie schreckt aber auch nicht davor zurück, Donald ein Ultimatum zu stellen wie: „Bis du dir nicht ein angenehmeres Auftreten zugelegt hast, will ich dich nicht wieder sehen.“
Ihr bislang letzter Filmauftritt erfolgte im Jahr 1954 in „Donalds Diary“.
Daisy ist Donalds große Liebe. Da die Geschichte aber im prüden Amerika spielt, muss diese Liebe platonisch bleiben. Daisy selber zeigt ja auch Anwandlungen zum Spießbürgertum, sie geht regelmäßig zum Damenkränzchen, und wenn Donald ihr kein Los für die Lotterie irgendeiner Wohltätigkeitsorganisation abkauft, dann kann sie ziemlich böse werden. In der langen Zeit der Comicgeschichte der Familie Duck gab es einen einzigen leidenschaftlichen Kuss zwischen Daisy und Donald. Später wurde so eine „erotische“ Darstellung verboten. Das interessante an dieser Zeichnung ist, dass sich die beiden zwar fest umschlungen halten, aber trotzdem ein beachtlicher Abstand zwischen den beiden besteht. Das liegt daran, dass Barks seine weiblichen Figuren anfangs mit ausgeprägten Brüsten ausgestattet hatte. Dies wurde ihm aber untersagt, und so musste er jegliche Oberweite in stundenlanger, mühevoller Arbeit wieder entfernen. Barks Entwürfe mussten jedoch selten wieder abgeändert werden. Normalerweise wurden Barks keine Vorgaben gemacht, wie er seine Geschichten zu gestalten habe. Aufgrund seiner jahrelangen Arbeit in den Disney-Studios wusste Barks schon ziemlich gut wie weit er sich in Richtung Gut bzw. Böse vorwagen durfte.
Bis Ende der 50er Jahre wurde Daisy die Stimme von Clarence Nash geliehen, der auch Donald synchronisierte. Zwar bekam Daisy auch ihre eigene Stimme, doch ihr Charakter wurde nicht weiter ausgebaut. Auch Carl Barks baute die Rolle von Daisy, der einzigen Frau im Duck Clan, bis auf Oma Duck, die das weibliche Oberhaupt der Familie darstellt, nicht weiter aus. Er verwendete ihre Figur nur sehr selten und vor allem für etwas dümmliche Gags und mickrige Dialoge wie „kicher, kicher“.