2. Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur

2.1. Die moderne Kinderliteratur

Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich die Gattungsform der Jugendliteratur stark verändert. Im späten 18. Jahrhundert, zur Zeit der Aufklärung, wurde die Forderung nach Kinderliteratur gestellt, die von Kindern und deren Erlebnissen handeln sollte. Demnach sollten also Kinder die Hauptfiguren dieser Geschichten sein. Die moderne Kinder- und Jugendliteratur war geboren. Der Sensualismus (Empirismus), der besagt, dass Kinder nur das erfahren können was innerhalb ihres Anschauungs- und Erlebnishorizontes liegt, brachte mit dieser Einstellung eine breite Kinderliteraturströmung hervor. Diese Strömung ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Geschichten im Milieu der Kinder spielen, in der Familie, der Schule, dem Internat und dem Freundeskreis. Anfangs jedoch stellte sich diese Literaturform nicht sozialkritisch dar. Die Autoren schrieben von Kindern und deren Erlebnissen, die recht wenig mit der wirklichen damaligen gesellschaftlichen Situation gemein hatten. Im Mittelpunkt der realistischen Jugendliteratur stand das Idealbild des gehorsamen, angenehmen und pflichtbewussten Kindes. Die Handlung spielte sich meist in der Natur oder dem Dorf ab, weniger aber in der Stadt. So hatte der Großteil der Leser, der aus dem städtischen Raum kam, wenig mit den Figuren dieser Geschichten gemein. Aus der Kinder- und Jugendliteratur dieser Zeit kann man vor allem etwas über die zur damaligen Zeit vorherrschenden Kindheitsbilder und Klischees erfahren.