2. Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur

2.2. Die Veränderungen in der realistischen Kinder- und Jugendliteratur

Um die Jahrhundertwende entstand eine neue Richtung, die sich mit den realen Lebensbedingungen der Kinder auseinander zusetzen versuchte. Die Reformpädagogik nach dem ersten Weltkrieg brachte gleichzeitig mit den damaligen gesellschaftlichen Veränderungen auch eine Veränderung in der realistischen Jugendliteratur. Von nun an versuchte man die Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen. Zu dieser Richtung zählen u.a. Bücher von Heinrich Scharrelmann und Peter Stoll. Kinder sollten mit Hilfe der Bücher beginnen sich mit ihrem eigenen Leben auseinander zusetzen. Nun kam aber noch hinzu, dass die Autoren meist ihre eigene Kindheit in ihren Werken verarbeiteten. In den Romanen wurden nun Ereignisse aus vergangener und augenblicklicher Kindheit vermischt. Die Erinnerungen an die vergangene Kindheit wurde dann zu einer Art "persönlichem Kindheitsmythos". Autoren wie Michael Ende und Astrid Lindgren sind Beispiele dafür, in ihren Büchern Lebenswelten zu erschaffen, die mit der Realität wenig gemein haben. In dieser Phase, den Fünfziger und Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, waren die Autoren der Ansicht, dass die Kindheit ein "aus dem Alltagsleben ausgegliederter Frei- und Spielraum" sei.