3. Kinder- und Jugendliteratur bei Christine Nöstlinger

3.1. Themen und Probleme, die Christine Nöstlinger in ihren Romanen anspricht

Neben dem "Anti-Held"-Motiv sind für Christine Nöstlinger noch andere Aspekte entscheidend. Da sie versucht die soziale und psychische Situation von Kindern und Jugendlichen unserer Zeit mit einzubeziehen, gelingen ihr treffende Milieuschilderungen. Unverkennbar ist dabei auch ihr eigenständiger sprachlicher Stil, der wienerischen Dialekt mit Versatzstücken der heutigen Jugendsprache verbindet.
In ihren Romanen ergreift Christine Nöstlinger immer für die Schwächeren Partei und betont stark die Rechte der Kinder und Jugendlichen. Oft kommt es daher auch vor, dass sie sich gegen althergebrachte und teilweise schon traditionell verankerte Familien- und Schulstrukturen wendet. Sie spornt die Kinder an, den Sinn ihrer eigenen Handlungen und denen, die ihnen von ihren Eltern aufgetragen werden, zu hinterfragen. Christine Nöstlinger wehrt sich gegen angemaßte Macht, die sich in der Unterdrückung der Kleinen und der Außenseiter äußert,dagegen, dass manche Kinder und Jugendliche in den Familien der bedingungslosen und strikten Erziehung ihrer Eltern unterworfen sind, ohne eine Chance auf eine eigene Meinung.
Die Autorin tritt in ihren Texten auch gegen Vorurteile und Aberglauben auf. Sie will den Kindern zeigen, dass es keinen "schwarzen Mann" gibt, dass man ein anderes Kind nicht wegen seinem Aussehen verspotten soll und, dass die Erwachsenen sie mit all ihren Fehlern und Schwächen akzeptieren sollten.
"Das Einzige, was ich habe, ist ein unerschütterlich fester Glaube an Aufklärung und Humanität" Christine Nöstlinger ist sich dessen bewusst, dass sie sich als Erwachsene nicht wirklich in die Situation von Kindern hineinversetzen kann. Gerade deswegen ist es erstaunlich, dass sie die Probleme der Kinder und Jugendlichen oft so genau trifft. Die Autorin ist der Meinung, dass Kinder lieber Geschichten lesen, in denen "etwas passiert", anstatt sich mit belehrenden Aussagen von Autoren voll zu stopfen, die versuchen die Kinder mit ihren Texten zu erziehen. Die Faszination, die Christine Nöstlingers Bücher auf manche Kinder ausübt, könnte darin liegen, dass sie in der Lage ist, die Dinge, die den Kindern am Herzen liegen, auszuformulieren. Ein Kind ist oft noch nicht in der Lage seine Wut, seine Ängste und Wünsche in klare Worte zu fassen.