3. Kinder- und Jugendliteratur bei Christine Nöstlinger

3.2. Christine Nöstlingers Stil

In ihren ersten Kinderbüchern "Die feuerrote Frederike" und "Die drei Posträuber" stammten sowohl der Text als auch die Illustrationen von Christine Nöstlinger selbst. Ihre Arbeit wurde mit äußerst positiver Kritik an ihren sozialkritischen aber auch phantasievollen Texten belohnt. Christine Nöstlinger hatte die Geschichten eigentlich nur geschrieben um Bücher illustrieren zu können, den Lesern aber gefielen ihre Text weitaus besser als ihre Illustrationen. So entschloss sich Christine Nöstlinger weitere Kinderbücher zu verfassen. In den ersten sechs Jahren ihrer neuen Tätigkeit zeichnete sich Christine Nöstlinger durch eine enorm hohe Produktivität aus und schrieb über zwanzig neue Werke.
Einerseits verfasste die frischgebackene Autorin weitere phantastische Erzählungen, deren Hauptfiguren surreale Gestalten darstellten, die sich gegen Ausbeutung wehrten ("Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" 1972, "Der schwarze Mann und der große Hund" 1973, "Pelinka und Satlasch" 1976).
Andererseits begann sie realistische Romane für Jugendliche zu schreiben. Einfühlsam aber auch direkt beschreibt sie in diesen Geschichten die verschiedenen Sorgen und Nöte von Jugendlichen ("Ilse Janda, 14 oder Die Ilse ist weg" 1974, "Stundenplan" 1975).
"Ich kann nur über Dinge schreiben, die ich kenne, Indianer, Filmstars und Söhne von Atomphysikern mit Nobelpreis fallen also weg"
1973 schrieb Christine Nöstlinger den Roman "Maikäfer flieg", der einen autobiografischen Bericht über den 2. Weltkrieg und die Nachkriegsjahre, aus der Sicht eines achtjährigen Mädchens darstellt. In diesem Buch in dem von den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen dieser Zeit aus der Sicht der Icherzählerin berichtet wird, kann man die Tendenz zu einer humanen und pazifistischen Weltsicht erkennen. Die Autorin hat in diesem Buch zum Teil ihre eigenen Kindheitserinnerungen verarbeitet. Vor allem die liebe Vaterfigur entsprach der Realität, da Christine Nöstlinger sowohl mit ihrem Vater als auch mit ihrem Großvater nur Positives verbindet. Doch auch von Christine Nöstlinger gibt es eine reine Fantasiegeschichte. Schon viele Buchkritiker haben meist ohne Erfolg versucht, das Buch "Hugo, ein Kind in den besten Jahren" zu interpretieren. Dieser Umstand lässt sich wahrscheinlich darauf zurückführen, dass Christine Nöstlinger mit diesem Roman eigentlich gar nichts Bestimmtes aussagen wollte! Zu diesem Buch wurde Christine Nöstlinger nämlich durch einige schwarzweiße Bilder inspiriert. Doch da der Verlag die Bilder ohne dazupassenden Text nicht veröffentlichen wollte, dachte sich die Autorin eben einen aus. Sie ließ ihrer "engagierten Fantasie" freien Lauf, und die Geschichte von Hugo, dem Kind in den besten Jahren, das eigentlich auf keinem der Bilder zu sehen ist, war geboren. Weniger war es ihr bei diesem Werk daran gelegen, auf das Kind, das in jedem Erwachsenen steckt, hinzuweisen, als gegen die damalige Fantasie-Welle zu protestieren. Unter engagierter Fantasie versteht Christine Nöstlinger nämlich nicht das Erfinden von Kobolden, Zauberern und Feen, sondern sich eine Welt auszudenken, die sehr wohl soziale Zusammenhänge beinhaltet und in Richtung einer Utopie gehen kann.