3. Kinder- und Jugendliteratur bei Christine Nöstlinger

3.3. Die Sprache in ihren Texten

Die Sprache in Christine Nöstlingers Büchern wurde im Laufe der Zeit etwas ruhiger. Anfangs war in einigen Texten ihre pazifistische (Frieden um jeden Preis) und humane Lebenseinstellung deutlich zu merken, mit der Zeit aber stellte sich ein etwas versöhnlicherer Grundton ein. Ihr Humor und Sprachwitz zieht sich jedoch durch alle ihre Bücher und stellt ein zentrales Element dar. Das Lesen soll ja weniger erziehen, sondern vor allem Freude bereiten.
"Ich will den Lesern und Hörern Spaß machen. Den jungen und den alten."
Christine Nöstlinger schreibt am liebsten im Wiener Dialekt: "Das ist meine Sprache. Da wird alles beim Schreiben leichter. Und alles stimmt mehr." Dadurch wird auch deutlich, dass sie die Autorin vor allem an die jungen "nicht fein sprechenden" Leute wendet. Neben Glossen und Gedichten, die sie in Mundart verfasste ("Iba de Gaunz Oaman Kinder"), finden sich auch in ihren Romanen immer wieder viele umgangssprachliche Ausdrücke. Schon auf den ersten Seiten eines Buches findet man zumeist den Verweis auf einen Index mit Wörtern, "die in Wien und in Österreich üblich sind, aber in anderen Gebieten des deutschen Sprachraums nicht".
Die Geschichten ihrer Romane basieren oft auf eigenen Kindheitserinnerungen. Der Mutter-Tochter-Konflikt wird in vielen ihrer Bücher zur Sprache gebracht, da das Verhältnis zu ihrer Mutter in ihrer Kindheit ziemlich gespannt war. Anatol und die Wurschtelfrau Die Probleme in ihren Büchern werden so dargestellt wie sie sind. Christine Nöstlinger ist der Meinung, dass Kinder ein Recht darauf haben, in ihren Büchern die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. So beginnen die Kinder selbst über ihre eigene Wirklichkeit nachzudenken, und gehen so einen ersten Schritt um vielleicht selbst ihr Leben etwas zu verändern. Da ihre Bücher keine Märchen sind, enden sie auch selten mit "... und sie lebten glücklich und zufrieden". Oft gibt es kein Happyend sondern eher eine Art Kompromiss.
In dem Buch "Anatol und die Wurschtelfrau", bringt die dreizehnjährige Desiree einen kleinen Kater, Anatol, mit nach Hause ohne ihre Eltern um Erlaubnis zu fragen. Natürlich entdeckt die Familie das maunzende Geheimnis, findet sich aber bald mit der Katze ab und nimmt sie in die Familie auf. Als sich aber herausstellt, dass die Putzfrau allergisch gegen Katzenhaare ist, stellt Desirees Mutter sie vor die Tatsache, dass ihr die Putzfrau wichtiger ist und, dass sich der Großvater in Zukunft um die Katze kümmern wird. Da fasst Desiree den Beschluss, zu ihrem Großvater zu ziehen, den sie nur von den jährlichen Besuchen kennt. Am Ende der Geschichte versprechen Desirees Eltern hoch und heilig, dass sich alles ändern wird und, dass man auch die Putzfrau entlassen kann, damit Desiree sich nicht von Anatol zu trennen braucht. Ein Happyend im eigentlichen Sinne wäre nun wohl, wenn Desiree nun zu ihren Eltern zurückkehren würde und die heile Familie wieder beisammen wäre. Doch Desiree entschließt sich bei ihrem Großvater und ihren neuen Freunden wohnen zu bleiben.